NO BULLSHIT BUBBLES
Schaumwein brutal einfach erklärt
Sommerzeit ist Sprudelzeit. Der anhaltende Trend zum Schaumwein ließ die Vielfalt im Regal rasch wachsen. Das garantiert Abwechslung, kann aber auch unübersichtlich werden. Kompliziert ist es allerdings nicht: Es genügt, die Bedeutung einiger weniger Keywords zu kennen, um die Qual der Schaumweinwahl zu vereinfachen.
Schaumweine stehen für gute Laune und beschwingte Leichtigkeit. Aus all dem, was auf ihren Etiketten geschrieben steht, werden wir allerdings nicht immer auf Anhieb schlau. Was davon ist wichtig? Interessant ist zuallererst, woher ein Schaumwein kommt.
Prangt in großen Lettern „Prosecco“ auf dem Etikett, ist eines sicher: Dieser Schaumwein stammt aus Norditalien. Von Venetien bis hinüber nach Triest in Friaul-Julisch Venetien reicht das Ursprungsgebiet, alles andere ist kein Prosecco. Dazu sind engere Herkunftsangaben möglich, wie wir am Beispiel des fruchtig-saftigen Prosecco Brut der Cantine Borga sehen, dessen Rückenetikett die Provinz Treviso preisgibt. Weiters gilt: Champagner kommt ausschließlich aus der Champagne, Franciacorta aus Franciacorta, Sekt Austria aus Österreich, Crémant de Bourgogne aus Burgund und so weiter.
Paradoxe Süßegrade
Ganz entscheidend, um den persönlichen Geschmack zu treffen, ist die mehr oder weniger ausgeprägte Süße von Prickelndem. Während Schaumweinfreaks oft „Extra Brut“ oder „Brut Nature“, also knochentrockene Bubbles, bevorzugen, gibt die Mehrheit doch einer zarten, feinbalancierten Restsüße den Vorzug. Am häufigsten und beliebtesten ist daher der Stil „Brut“ (dt. herb) mit maximal zwölf Gramm Zucker pro Liter.
Dieser Süßegrad steht den meisten Schäumern einfach besonders gut. Nicht vergessen: In Sachen Süße gelten bei Schaumwein andere Regeln als bei Stillwein! „Dry“ heißt zwar „Trocken“, weist aber keineswegs auf einen besonders trockenen Schaumwein hin, sondern auf einen Zuckergehalt zwischen 17 und 32 Gramm pro Liter – das ist ganz schön süß. „Extra Dry“ liegt mit 12 bis 17 Gramm zwischen „Brut“ und „Dry“.
Flaschengärung für feinste Perlen
Der Hinweis „Méthode Traditionnelle“ oder „Traditionelle Flaschengärung“ auf dem Etikett, wie beim deutschen Sekthaus Krack, ist ein klares Qualitätsversprechen. Wirklich hochwertige, allerfeinste Bubbles entstehen nur durch diese Herstellungsmethode, bei welcher die zweite Gärung in der Flasche geschieht und die Dauer des Hefelagers den Ausschlag gibt. Auch Franciacorta, der hochwertigste Schaumwein der Lombardei, ist ein „Metodo Classico“, wie es auf Italienisch heißt. Der biodynamisch produzierte 1701 Franciacorta Satèn Brut stammt als „Millesimato“ aus einem einzigen Jahrgang und
„Satèn“ weist auf seine besondere Seidigkeit und die sanftere Perlage bei höchstens fünf Bar Druck hin. Zudem ist ein „Satèn“ immer ein Blanc de Blancs, besteht also nur aus Weißweinsorten. Den Stil eines Blanc de Blancs zeichnet oft Straffheit und Feingliedrigkeit aus. Stefanie und Alwin Jurtschitschs Blanc de Blancs von Grünem Veltliner, Weißburgunder und Chardonnay ist ein Paradebeispiel dafür. Dieser feinwürzige flaschenvergorene Sekt reifte 36 Monate auf der Hefe und bringt mit viel Frische die kühle Kamptal-Stilistik perfekt ins Glas.
Blanc de Noirs
Das Pendant zum Blanc de Blancs ist der Blanc de Noirs, der – Sie ahnen es – ausschließlich aus Rotweintrauben gekeltert wird. Er ist kein Rosé, sondern behält durch rasches Abpressen die helle, klare Farbe eines Weißweins. Sein Stil ist oft etwas kräftiger und intensiver. Pinot Noir und ein kleiner Anteil Pinot Meunier bilden den Blanc de Noirs vom Pfälzer Sekthaus Krack. Lebendige Struktur und saftige Dunkelwürzigkeit prägen diesen erschwinglichen Winzersekt vom Shootingstar der deutschen Sektszene. Wir wechseln den Schauplatz und begeben uns nach Frankreich. Neben Champagner erfreuen sich hier die preisgünstigeren Crémants ungebremster Beliebtheit. Aus der berühmten Burgund-Appellation Chambolle-Musigny stammt der exzellente Crémant de Bourgogne der Domaine Felettig, ein eleganter Blanc de Noirs Extra Brut von 100 Prozent Pinot Noir. „Extra Brut“ – maximal sechs Gramm Zucker pro Liter – ist auch beim Winzerchampagner en vogue. Arnaud Fabre von der Domaine Alexandre Bonnet widmet sich in Les Riceys, ganz im Süden der Champagne, ebenfalls dem Pinot Noir, der von den speziellen, von Kimmeridge-Kalk geprägten Böden herrlich kompakte, sehr ausdrucksstarke Champagner hervorbringt. Mit puristischem Terroircharakter ist der Blanc de Noirs Extra Brut das Aushängeschild der Domaine.
La vie en Rosé
Blaue Trauben sind natürlich auch für feinste Rosé-Bubbles verantwortlich. Beim Champagner entsteht Rosé meist durch die simple Zugabe von etwas Rotwein. Eric Rodez aus Ambonnay arbeitet aufwendiger: Er keltert von Pinot Noir einen Rosé de Saignée, was bedeutet, dass sein Grand Cru Rosé „Macération“ durch eine kurze Mazerationszeit der Trauben entsteht. Ein Rosé-Champagner der Extraklasse, der feine Rotbeerigkeit, zarte Holznoten, Kraft und Finesse vereint. Dass auch Österreich Rosé kann, beweist Harkamps steirischer Winzersekt aus Pinot Noir und Weißburgunder.
Der elegant-fruchtige, cremig abgerundete Rosé erhält eine niedrige Dosage von vier Gramm pro Liter, wenngleich auf dem Etikett anstatt „Extra Brut“ das beliebtere „Brut“ angeführt wird. Zuschmann-Schöfmanns Pet Nat Rosé wird wie alle Pet Nats nach Méthode Ancestrale hergestellt, bei welcher der Wein noch während der ersten Gärung in Flaschen gefüllt wird. Seine lebendige Perlage, die frische Frucht und das freche Tanninrückgrat machen diesen rosaroten Weinviertler zum perfekten Sommerdrink.