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Reinisch

Der Johanneshof Reinisch ist weithin für seinen Pinot Noir bekannt, der als einer der besten des Landes gilt. Aber auch ihr St. Laurent und ihr Chardonnay können sich sehen lassen.

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Christian und Sebastian Reinisch im Interview mit Daniela Dejnega

reinisch interview 2026

Drei Brüder und zwei Söhne – mittlerweile führt ihr das Weingut erfolgreich zu fünft, wobei jeder unterschiedliche Aufgaben hat. Seid ihr auch sehr unterschiedliche Charaktere?

Christian Reinisch: Ja, wir sind Gott sei Dank sehr unterschiedliche Charaktere. Da gibt es auch manches Mal intensivere Diskussionen, aber durch Reibung entsteht Energie. Und wir haben ein gemeinsames Ziel: aus dem Potenzial unserer Region das Beste herauszuholen.

Die Thermenregion wird gern als „Burgund Österreichs“ bezeichnet. Warum?

Sebastian Reinisch: Der kalkhaltige Boden, warme Tage und kühle Nächte sowie die Ausrichtung der Weingärten schaffen ähnliche Bedingungen wie in Burgund. Im 12. Jahrhundert kamen Mönche aus Cluny in Burgund in unsere Region und erkannten damals schon ihr Potenzial. Chardonnay und Pinot Noir brauchen den Kalk im Boden, um die feinen Tannine ausbilden zu können. Diese Rebsorten fühlen sich bei uns sehr wohl. Wir achten dabei auf eine sehr vielseitige Herkunft und DNA der Reben, um eine hohe Diversität im Geschmack zu erreichen. Zwei Drittel der Rebstöcke, die wir pflanzen, kommen aus Frankreich, der Rest teilt sich auf Deutschland, Österreich, Italien, die Schweiz und die USA auf.

Pinot Noir und Chardonnay stehen also im Fokus, ihr keltert aber auch hervorragenden St. Laurent. Warum gilt diese Rebsorte als schwierig im Weingarten?

Christian: Der St. Laurent ist mit dem Pinot verwandt und seine Beeren haben dünne Schalen, was ihn anfällig für Pilzkrankheiten macht. Er ist außerdem alternierend im Ertrag. Das heißt, er liefert einmal eher wenig und dann wieder fast nichts. Für eine hohe Qualität braucht St. Laurent einen kargen Boden, um nicht zu wüchsig zu werden, deshalb funktioniert er in Tattendorf sehr gut. Seine Reben müssen ein bisschen leiden, damit sie die Kraft in die Trauben lenken anstatt sie nur in die Blätter zu bringen.

Wenn man Pinot Noir und Sankt Laurent im Glas vergleicht – wie lassen sich die Unterschiede in Bezug auf Aromatik und Struktur am besten beschreiben?

Sebastian: Pinot Noir ist rotbeerig, floral in der Nase und hat sehr elegante Tannine. St. Laurent besitzt eine dunklere Farbe, ist dunkelbeerig in der Nase und hat kräftigere Tannine. Geschmacklich ist er für uns in kühlen Jahren einem Pinot Noir ähnlich, in wärmeren Jahren ähnelt er hingegen eher einem Cabernet Franc oder einem Syrah.

Euer Pinot Noir Ried Kästenbaum zählt zu den allerbesten Burgundern Österreichs. Was macht die Lage Kästenbaum aus und wie wird der Wein vinifziert?

Sebastian: Die Riede Kästenbaum liegt am Anninger auf 400 Meter Höhe und ist damit eine der höchstgelegenen Rieden in der Thermenregion; sie ist umgeben vom Wienerwald und daher immer etwas kühler. Davor befindet sich ein Steinbruch, der eine sehr gute Luftdurchwirbelung bringt. Der Anninger ist ein Ausläufer der Alpen mit Dolomitkalk im Untergrund, was für einen kalkreichen Braunerdeboden sorgt. Durch die kühleren Nächte können wir die Trauben in der Ried Kästenbaum etwa zehn Tage später ernten als in Tattendorf, was eine sehr gute Reife der Tannine und des Geschmacks bringt. Ein Teil der Trauben wird nicht entrappt, also werden etwa 30 Prozent ganze Trauben inklusive Stiele mitvergoren, was dem Wein eine großartige Struktur gibt. Der Rest der Trauben wird entrappt, aber nicht gequetscht. Der Pinot Noir Ried Kästenbaum reift für etwa 14 Monate in Barriques aus französischer Eiche.

Gibt es persönliche Lieblingsweine in eurem Sortiment?

Christian: Momentan ist es bei mir der St. Laurent Ried Frauenfeld 1ÖTW 2022. Wenn es aber ein Weißwein sein soll, dann ist es unser Rotgipfler Gumpoldskirchen 2025. Dabei handelt es sich um den ersten Jahrgang, für den Sebastian verantwortlich ist. Der ist ihm sehr gut gelungen! Es ist wirklich toll, dass wir mit Rotgipfler und Zierfandler auch zwei Sorten haben, die es (fast) nur in der Thermenregion gibt. Beide besitzen ein großartiges Reifepotenzial und sind hervorragende Speisenbegleiter.

Seit über einem Jahrzehnt führt ihr den Betrieb organisch-biologisch zertifiziert. Was hat sich dadurch verändert?

Christian: Wir sind wieder viel mehr im Weingarten, um die Reben zu beobachten. Für mehr Biodiversität in der Monokultur Weingarten zu sorgen, ist ein ungeheuer wichtiges Thema geworden. Es gilt: Je mehr Leben im Weingarten, umso mehr Leben im Wein.

Gibt es eine Entwicklung im Weinbau oder in der Weinszene, die euch zuletzt erfreut hat?

Sebastian: Mich freut, dass viele Weingüter den Lesezeitpunkt tendenziell nach vorne schieben. Dadurch wird der Alkoholgehalt etwas weniger und die Frische in den Weinen rückt wieder mehr in den Vordergrund. Generell ist die Vielfalt an Weinstilen auch stark gestiegen.

Christian: Ich finde den Trend zum Weintourismus positiv. Wir selbst haben mit dem Restaurant Thomas bereits seit über drei Jahren eine tolle kulinarische Bereicherung im Betrieb. Ab April kann man bei uns auch übernachten: im neuen Schlafgut am Johanneshof.

Vielen Dank für das Gespräch!