Sensationelle Tiefgründigkeit
Erste Lagen Wagram
Der Wagram steht für Grünen Veltliner mit Finesse, Tiefgründigkeit und Eleganz. Auf insgesamt 14 Ersten Lagen (1ÖTW) spielen auch die Sorte Riesling und die autochthone Spezialität Roter Veltliner in der Topliga.
Der Wagram bezeichnet eine gut sichtbare Geländestufe, die sich nördlich der Donau von Tulln etwa 30 Kilometer nach Westen erstreckt. Die Reben stehen hier auf sanften, kühlen und breiten Terrassen und wurzeln in einer gewaltigen, bis zu 20 Meter dicken Lössschicht. Löss ist kalkhaltiger Gesteinsstaub, der in den Eiszeiten angeweht wurde. Die tiefgründigen Lössböden verhüllen einen Untergrund aus Meeresablagerungen und Flussschottern. Die einzigartige Charakteristik des Wagram – finessenreich, kühl aber auch mineralisch und elegant – bringen die Weine von den Ersten Lagen (1ÖTW) mit besonderer Präzision zur Geltung. Prädestiniert ist das Terroir großteils für die Leitsorte Grüner Veltliner, jedoch gibt es auch fantastische Rieslinge und als heimlicher Superstar gilt der seltene Rote Veltliner.
Empfehlungen
Eine der bekanntesten Ersten Lagen am Wagram ist die Ried Mordthal 1ÖTW, deren Name nichts mit einem Mord zu tun hat, sondern von der alten Bezeichnung „am Ord“ kommt, was in etwa „am Ende“ oder „das Äußerste“ bedeutet, also das hinterste Tal im Weinort Ruppersthal meint. Die nach Südwesten orientierten Terrassen der Ried Mordthal sind im nordwestlichen Teil von quarzreichen, sandigen Kiesen geprägt, gegen Südosten dominiert der Löss. So eignet sich der lehmig-sandige und immer kalkige Boden sowohl für Roten Veltliner als auch für Riesling bestens. Josef Fritz kelterte 2024 von dieser Lage einen vollmundigen Roten Veltliner mit sortentypisch tropischer Frucht und fabelhaftem Schmelz. Ein hocheleganter Riesling von der Ried Mordthal kommt von Karl Fritsch: Der Jahrgang 2023 balanciert mit herrlich salziger Mineralität und faszinierender Frische.
Östlich von Ruppersthal befindet sich die Ried Steinberg 1ÖTW, eine trockene und heiße Erste Lage auf 220 bis 360 Meter Höhe, maßgeschneidert für den Roten Veltliner. Der Name der Ried kommt von ihrem steinigen und sandigen Boden, der sich hier mit dem Löss abwechselt. Mit dichter reifer Exotik gleitet der straff gebaute Steinberg Privat 2023 von Josef Fritz in eine salzige Länge und verspricht enorme Lagerfähigkeit.
Doch natürlich bleibt der Grüne Veltliner das große Aushängeschild am Wagram. Die Ried Brunnthal 1ÖTW gehört zum westlich gelegenen Weinort Fels und fällt durch Böden aus meterdickem reinem Löss mit hohem Kalkgehalt auf. In dieser warmen Terrassenlage sorgen kältere Luftmassen aus den nordwestlichen Waldgebieten für starke Temperaturunterschiede. Gelbfruchtige Grüne Veltliner mit viel Kraft, aber auch Mineralität und Fokus wachsen hier. Der Jahrgang 2023 vom Weinhof Waldschütz überzeugt durch seine Cremigkeit, Vielschichtigkeit und die feine Holzwürze.
Auch die Reben in der Feuersbrunner Ried Spiegel 1ÖTW wurzeln mehrere Meter tief im Löss; darunter liegen Gföhler Gneis, Meeressedimente und alte Donauschotter. Von dieser windgeprägten Ersten Lage keltert Bernhard Ott sein finessenreiches Veltliner-Flaggschiff, dessen kühler und eleganter Charakter die unmittelbare Nähe zum Kamptal spürbar macht.
Die benachbarte Ried Kirchthal 1ÖTW reicht bis zum Waldrand in 370 Meter Höhe hinauf und ihre oberen Terrassen prägen Tertiärschotter und kühler Wind. Hier erntet Ott Riesling, den er nur in besonders guten Jahrgängen wie 2023 separat ausbaut. Der Wein ist wunderbar kompakt, feincremig und mineralisch frisch.