Burgenland – So bunt sind seine Roten!
Fruchtiger Zweigelt, würziger Blaufränkisch und samtiger Merlot
Fruchtigen Zweigelt, würzigen Blaufränkisch und samtigen Merlot, dazu saftige rote Cuvées – all das und noch viel mehr hat das Burgenland zu bieten. Das stilistische Spektrum seiner Rotweine reicht von elegant und feinstrukturiert bis dicht und kraftvoll.
Im sonnigen Burgenland dominiert der Rotwein. Blaufränkisch und Zweigelt führen den Sortenspiegel an, gemeinsam nehmen sie etwa 4.600 Hektar und damit 70 Prozent der burgenländischen Rotweinfläche ein. Die drittwichtigste rote Sorte ist Merlot mit 500 Hektar, dahinter folgen Cabernet Sauvignon, St. Laurent und Pinot Noir. Die verschiedenen Rebsorten, Herkünfte und Qualitätsstufen sowie die unterschiedlichen Philosophien der Winzer:innen ergeben eine spannende, immer wieder neu zu entdeckende Vielfalt.
Typischer Sortencharakter
Der beliebte Zweigelt, eine Kreuzung aus Blaufränkisch und St. Laurent, hat im Gebiet Neusiedlersee DAC seinen stärksten Auftritt, und zwar nicht nur als fruchtig-saftiger, jung zu trinkender Einstiegswein, sondern auch als kraftvoller Premium-Rotwein. Das Weingut Pöckl gewinnt seinen tiefdunklen Zweigelt „Réserve des Moines“ von der Einzellage Langberg in Mönchhof. Der Jahrgang 2023 vereint eine konzentrierte, aber feine Frucht von Amarenakirschen mit zarten Rauch- und Ledernoten. Dichte, Volumen und samtige Tannine kennzeichnen den im Barrique vinifizierten Zweigelt.
Besonders facettenreich setzt sich der autochthone Blaufränkisch in Szene. Charakteristisch sind seine Würze, markante Tannine und ein langes Reifepotenzial, aber auch, dass er selbst in Hitzejahren seine frische Säure behält. In der Eisenberg DAC im Südburgenland ist Blaufränkisch die klare Nummer Eins. In unmittelbarer Nähe zur ungarischen Grenze wächst der Blaufränkisch Ried Hummergraben von Wachter-Wiesler auf eisenhaltigem Lehm und kargem Grünschiefer. Dieser Boden sorgt für Tiefgang und Mineralität. Der Ausbau in 600-Liter-Fässern stellt auch beim Jahrgang 2023 nicht das Holz, sondern Eleganz, Balance und Terroir in den Vordergrund.
Obwohl Merlot ein gefragter Cuvée Partner ist, wird er auch gern sortenrein abgefüllt. Der Merlot von Kerschbaum stammt vorwiegend von der Toplage Dürrau in Horitschon, die Paul Kerschbaum bereits in den Neunzigerjahren mit dieser Sorte bepflanzte. Der 2023er reifte ein Jahr im Barrique, anschließend in 2.300-Liter-Holzfässern und präsentiert sich herrlich fruchtbetont und bereits zugänglich.
Perfekte Abstimmung
Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot spielen auch in einer Cuvée fabelhaft zusammen. Aus genau diesen drei Sorten besteht die dunkelbeerige Cuvée „Breites Kreuz“ vom Weingut Kirchknopf.
Ihr Name bezieht sich auf eine Kapelle in der kalkreichen Ried Satz am Leithagebirge. Der elegante 2022er erinnert an Brombeeren, Zwetschken und getrocknete Datteln, die Lagerung in 500-Liter Fässern rundet den Wein ab.
Die Kunst der Cuvée
Da es im Burgenland noch viele weitere Rotweinsorten gibt, liegt es nahe, diese auch miteinander zu vermengen, um noch spannendere Weine zu erhalten. Der charmante Zweigelt wird beispielsweise gern mit dem würzigen Blaufränkisch, aber auch mit internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot cuvetiert, um Struktur und Volumen zu verstärken. Fingerspitzengefühl und ein sehr guter Gaumen sind für eine gelungene Cuvetierung notwendig.
In Deutschkreutz trug das Weingut Gager schon in den Achtzigerjahren dazu bei, kraftvolle, im Barrique ausgebaute Rotweincuvées in Österreich überhaupt salonfähig zu machen. Legendär ist die Cuvée „Quattro“ aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon, Merlot und Zweigelt. Der Jahrgang 2023 wurde 17 Monate in Barriques ausgebaut und begeistert mit dunkler Beerenfrucht, feiner Kräuterwürze und tabakigen Nuancen.
Eine Klasse für sich ist Gernot Heinrichs Kultwein von der Ried Salzberg. Wiederum trägt Merlot wesentlich zum Erfolg bei, nämlich genau zur Hälfte, die anderen 50 Prozent bildet Blaufränkisch. Nach drei Wochen im Holzgärständer wurde der 2019er mit der Korbpresse schonend gepresst und reifte dann mehr als vier Jahre im 500-Liter-Eichenfass. Tiefgründig, dunkelbeerig und dennoch durchzogen von beflügelnder Frische, zeigt diese Ikone des biodynamischen Spitzenweins seidige Struktur, saftigen Trinkfluss und salzige Länge.
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